Goethes Italienische Reise in Hebbels römischem Briefwechsel: Italienerfahrung zwischen Epigonalität und Originalität

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Abstract

Mit seiner Italienreise in den Jahren 1844–1845 leistet Friedrich Hebbel einen aktiven Beitrag zu dem wohlbekannten Kulturphänomen des Grand Tour.1 Bereits im Zeitalter der Aufklärung wird die im späten 17. Jahrhundert aufkommende Bildungsreise junger Adeliger zu einer Art Institution, die im 19. Jahrhundert zunehmend in einer ritualisierten touristischen Praxis mündet.2 In seiner 1816–1829 publizierten Italienischen Reise liefert Goethe ein für die deutsche Kultur nachhaltig wirkendes Vorbild der direkten Italienexploration. Mit seiner anthropologischen und kulturwissenschaftlichen Erkundung des Bel Paese bietet Goethe seinen Lesern das Vorbild einer aktiven Italienerfahrung mit dem Ziel der geistigen Erhöhung. Zum Zeitpunkt von Hebbels Romaufenthalt (1844–45) bietet die Stadt sich noch als Museum der Herrschaftsformen, als ewiges Arkadien und Ansporn zur Geschmacksbildung an.3 So wie im Falle anderer zeitgenössischer Reisender speist sich Hebbels Rom-Mythos4 in erster Linie aus Berichten, Handbüchern und graphischen Reproduktionen. Seine Briefe und Tagebücher offenbaren die Hoffnung, mittels der Italienreise eine gravierende Bildungslücke zu füllen: Nach dem ausgesprochen ertragreichen Parisaufenthalt sieht Hebbel in Italien die Möglichkeit sein Profil als Autor zu schärfen, den Geschmack zu verfeinern und den Charakter zu formen.
Lingua originaleGerman
pagine (da-a)73-92
Numero di pagine20
RivistaHEBBEL JAHRBUCH
Volume75
Stato di pubblicazionePublished - 2020

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